Die Geschichte von Tiefthal

Die Tiefthaler Geschichte

bearbeitet von Franziska Doogs

 1. Entstehung des Ortsnamens:

 Der Name des Ortes „Tiefthal“ erscheint in älteren Urkunden als - Diffentale (1104) – Tifental (1143) – Tyffentayl (1437) oder auch als Diefenthale – Diefetal – Diefedal.

 2. Von den Anfängen bis heute:

 Das 11. Jahrhundert:

Ende des 11. Jahrhunderts wurde Tiefthal als „Diffentale“ in einem Stiftsbrief des Benediktklosters Hasungen (bei Kassel) erstmalig urkundlich erwähnt. Diese Schrift beschreibt unseren malerisch in Berge eingebetteten Ort als Winzerdorf und benennt das Kloster Orphal, die Orphaler Kirche mit deren Zugehörigkeiten sowie einen Weinberg zu Tiefthal.

 Jedoch muss Tiefthal schon älter sein als die Urkunden besagen. Vermutlich ist die Bildung des Ortes auf die Gründung des Erfurter Peterklosters zurückzuführen.

 Eine Besiedlung des Kraienberges in frühgeschichtlicher Zeit ist anhand archäologischer Ausgrabungen im Jahre 1923 zu vermuten. Funde wie ein schnurkeramisches Grab, Menschengräber sowie Brandöfen und Knochengeräte lassen auf eine Kultstätte der Kelten schließen.

 Das Mittelalter:

Das Erfurter Peterskloster bekundete an Tiefthal viel Interesse, was sicher dem Besitz vieler Acker Wein sowie der daraus resultierenden Weinproduktion zu dieser Zeit zu verdanken ist. Schließlich wurde mit Tiefthals Weintrauben der beste Wein Erfurts hergestellt. Des Weiteren fühlte sich der dem Peterskloster angehörige Gutshof Namens „Peter Gut“, welcher am südöstlichen Eingang Tiefthals lag, mit den Menschen Tiefthals verbunden.

 Im Jahr 1104 wurden die Besitzansprüche über die Flur Tiefthals zwischen dem Erfurter Peterskloster und dem Mainzer Bistum geregelt. Erzbischof Ruthardt von Mainz legte eine Teilung der zu Tiefthal gehörenden Fläche fest. Obwohl das Peterskloster viele Teile des Ortes sein Eigen nannte, dauerte es Jahrzehnte, bis es die alleinige Verwaltung und Gerichtbarkeit über den Ort für sich gewann. Bis zu jener Zeit richteten die Grafen von Gleichen über Tiefthal und der Erzbischof von Mainz behielt die Lehnbar- und Zinspflichtigkeit über die Liegenschaften, die die Weinberge umfassten, für sich ein.

 Im Jahr 1223 litt ein Graf von Gleichen, Graf Lambert, unter akuter Geldnot. Um dieser Misere zu entkommen, bat er das Erfurter Peterskloster um Hilfe. Obwohl ihm das Kloster aus seinen finanziellen Nöten verhalf, versprach der Graf, dass er und seine Nachkommen niemals die Gerichtbarkeit sowie das Vogteirecht über die dem Kloster Orphal verbundenen Dörfer (Alach, Gottstedt, Bindersleben und Tiefthal) aufgeben werden.

 Doch schon 1224 kippten die Versprechungen des Grafen Lambert und die vier Gleichenschen Vogteien zerfielen. Zu allererst verzichtete er auf das Vogteirecht über Bindersleben.  Tiefthal verwalteten die Grafen von Gleichen am längsten. Erst 1300 verschenkte der Graf Heinrich von Gleichen die Flur Tiefthals, d.h. 8,5 Hufen Fläche, an das Erfurter Peterskloster. Am 27.04.1306, so urkundlich nachweisbar, überschrieb Graf Heinrich dem Erfurter Bürger Walther Kerlinger das Vogteirecht über Tiefthal mit 19,5 Hufen Fläche.

 1307 verschwand das Kloster Orphal. Heute erinnern nur noch eine Erinnerungstafel und Bruchstücke von Umrissen an die Existenz jenes Klosters.

 Am 11.09.1317 erwarb das Erfurter Peterskloster von Walther Kerlinger die Hälfte der Kriminal- und Zivilgerichtbarkeit über Tiefthal. Eine Genehmigung zu diesem Kauf erhielt das Kloster am 07.10.1318. Durch Graf Hermann von Gleichen wurde am 11.03.1321 dem Walther Kerlinger der Besitz aberkannt und die gesamte Gerichtbarkeit über Tiefthal, Gottstedt, Bindersleben und Alach dem Erfurter Benediktinerabt zugesprochen. Dies bedeutete, dass die Dörfer der unmittelbaren Verwaltung des Petersklosters unterstanden. Von da an durfte es über sämtliche Liegenschaften, Einkünfte und Ereignisse entscheiden und das Gericht, die Rechtsprechung sowie das Blutgericht stellen.

 Die Freude über das erlangte Vogteirecht für Tiefthal hielt nicht lange an. Auf Grund schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse musste das Peterskloster die Hälfte der Gerichtbarkeit über Tiefthal im Jahr 1361 (hier überschneiden sich die Geschichtsaufzeichnungen; ein anderes Buch benennt die Abtretung der Hälfte der Gerichtbarkeit  Tiefthals im Jahr 1367) dem Erfurter Rat überlassen.

Wann der Erfurter Rat in den Besitz der anderen Hälfte Tiefthals gelangt ist, lässt sich nicht eindeutig klären. Vermutlich übernahm er die gesamte Verwaltung mit Ausgang des Mittelalters. Von da an war der Tiefthaler Bürger der stärkeren, reichen Schicht der Stadt Erfurt schutzlos ausgesetzt. Tiefthal musste an „Gut und Blut“ bezahlen.

 Das 16. Jahrhundert:

Anfang des 16. Jahrhunderts bestimmte in Tiefthal und in den umliegenden Orten Unordnung und Sittenrohheit das bürgerliche Leben. Ein gewisser Dietrich Ziegler von Tonna lag mit der Stadt Mühlhausen im Streit. Im Jahr 1509 nahmen die Tiefthaler Bürger, die sich mit dem Mühlhäuser Volk verbunden fühlten, einen Mann in Gefangenschaft. Die Tiefthaler fürchteten, dass der Gefangene die positive Verbundenheit zu Mühlhausen dem Dietrich Ziegler verraten und dieser somit Rache an ihrem geliebten Ort verüben könnte. So kam es, dass 1512 der inhaftierte Mann durch die Bürger Tiefthals gevierteilt wurde.

 Am 14.09.1519 beschoss Asmus von Bottlar die Ortschaften Kühnhausen und Tiefthal. Dies war ein Rachezug gegen die Stadt Erfurt auf Grund nicht zurückgezahlter Schulden. Bottlar borgte Erfurt Geld und verlangte 6% Zinsen, wobei die Stadt ihm nur 4% zurückzahlte.  Mit 50 Reitern fiel Asmus von Bottlar in Kühnhausen ein und brannte vier Gehöfte nieder. Während die Tiefthaler den Kühnhäuser Bürgern beim Löschen der Brände zur Hilfe eilten, nutzte Bottlar die Gelegenheit, ritt in Tiefthal ein und ließ elf Gehöfte abbrennen.

 Im Jahr 1604 bestand Tiefthal aus 40 Häusern. Infolge des 30- jährigen Krieges verlor der Ort die Hälfte seiner Gehöfte, so dass 1648 nur noch 17 Häuser standen.

 1664 wurde die Stadt Erfurt durch den Kurfürst von Mainz unter Mitwirkung der Franzosen belagert. Tiefthal erlitt dadurch schwere Verluste, Häuser wurden abgebrannt und abgerissen. Erhalten blieben die Kirche, die Schule und neun Häuser.

 Die Pest wütete in Tiefthal von 1669 bis 1683, wobei ihr 52 Menschenleben zum Opfer fielen.

 1766 wurde Tiefthal durch einen schweren Brand heimgesucht, welchem elf Häuser mit Scheunen und Stallungen in kürzester Zeit weichen mussten.

 Ende des 18. Jahrhunderts verzeichnete sich in Tiefthal wieder ein Zuwachs von Einwohnern. Bis 1793 zählte der Ort 218 Menschen und 67 Häuser.

 Bis zu den Bundeskriegen zwischen den Preußen und Franzosen wurde Thüringen mit Erfurt und seinen Ortschaften durch Mainz verwaltet. In Folge der verlorenen Kriege 1793 bis 1797 sowie 1799 bis 1801 musste Deutschland die gesamten Gebiete links des Rheines an Frankreich abtreten. Im Frieden von Luneville forderten die weltlichen Fürsten Deutschlands eine Entschädigung für die links vom Rhein verloren gegangenen Landgebiete. Sie erhielten dafür geistliche Besitztümer, welche auf der rechten Seite des Rheines lagen. Am 23.05.1802 ging das bisher mainzische Thüringen mit dem Eichsfeld, die Stadt Erfurt mit dem unteren Weißbachtal sowie Tiefthal mit dem „Peter Gut“ in den preußischen Besitz über. Die Übergabe des Gebietes wurde durch eine Verordnung vom 21.08.1802 der kurfürstlichen Regierung von Mainz bestätigt. Schließlich nahm der König von Preußen am 22.08.1802 die Stadt Erfurt und die Fürstentümer in Besitz.

 Am 22.03.1803 wurde das Erfurter Peterskloster durch den König von Preußen aufgehoben. Der Gutshof „Peter Gut“ ging an den preußischen Staat über. Auf Grund treuer Kundschafterdienste in den Freiheitskriegen belohnte der preußische König den Regierungsrat Pein und schenkt ihm das „Peter Gut“.

 In den Jahren 1806 bis 1813 wurde Erfurt wieder durch Napoleons Truppen besetzt. Die Franzosen schlugen ihre Quartiere um die Stadt auf, auch in Tiefthal. In dieser Zeit waren die Bürger Leid und Qualen ausgesetzt. Die Fremden legten den Menschen Kontributionen (Abgaben) auf und trieben diese unter allen Umständen ein. Die Einwohner Tiefthals mussten militärische Transporte gewährleisten. Dadurch litten die landwirtschaftliche Arbeit und der Zustand der Felder. 1809 quartierten sich auf Grund des Österreichisch – Französischen Krieges Holländer und westfälische Soldaten ein, welche unsittliche Verhaltensweisen an den Tag legten. Mit dem Rückzug der Franzosen am 20.10.1809 plünderten französische Nachzügler das Dorf. Schließlich wurde der Tiefthaler Georg Bormann am 24.10.1809 erschossen, was die restlichen Bürger entmutigte, aufständig zu werden. Am 25.10.1809 errichteten 3000 Kosaken ein Lager hinter der Tiefthaler Kirche, welche die letzten vorhandenen Lebensmittel plünderten und das restliche Feuerholz abbrennen ließen. Dabei breitete sich das Feuer auf die Kirche und die darunter stehende Schule aus. Dank Heinrich Rosenkranz und Friedrich Raditz wurden durch stetiges Heranholen von Wasser größere Schäden an den Gebäuden verhindert.

Die französische Besetzung der Stadt Erfurt dauerte noch bis ins Jahr 1814 an. 1813 belagerten österreichische, russische und preußische Truppen Erfurt. Die Unruhen schwellten nicht ab und Schrecken und Not wollten die Menschen nicht verlassen. Zu allem Übel trat das Nervenfieber auf, gegen welches die Bürger zusätzlich ankämpfen mussten. Im Einfluss der Industrialisierung sollten innerhalb der Erfurter Stadtmauer 1813 neue Fabriken und Gebäude entstehen. Zu diesen Aufbauarbeiten wurden nicht nur Tiefthaler Bürger gezwungen.

 Der 06.01.1814 brachte wieder Aufwind, weil die Stadt Erfurt zurück in die Hand der Preußen, die Verbündeten, geführt wurde. Am 18.10.1814 dachten die Tiefthaler Bürger der Völkerschlacht bei Leipzig mit einem Freudenfeuer auf der Schwellenburg sowie mit Glockengeläut.

 Am 05.12.1827 gingen acht Häuser durch Unachtsamkeit bei Flachsarbeiten in Flammen auf. Im  selben Jahr (1827) fielen drei weitere Häuser sowie das „Peter Gut“ und vereinzelte Scheunen einem Großbrand zum Opfer.

 Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde zur Erinnerung an dieses Ereignis in Tiefthal eine Kaiserlinde gepflanzt, welche noch heute steht. Wie eine Schrift, welche im Turmkopf der Tiefthaler Kirche zu finden ist, besagt, begeisterte die Bürger Tiefthals das Deutsche Reich und Bismarck. Es steht geschrieben, dass Kaiser Wilhelm II seit 1888 regierte und Bismarck, der Gewaltige – der Held, den Schmied des Reiches darstellte.

 1913 errichteten die Tiefthaler Bürger zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig ein einfaches Denkmal aus Muschelkalk. Sie wollten mit diesem mahnenden Gedenkstein an die Besetzung durch Napoleon erinnern. Vor dem Stein soll sich der Tiefthaler Dorfbrunnen befinden, welcher heute abgedeckt und für den Besucher nicht zu sehen ist.

 1924 kam es in Folge eines elektrischen Kurzschlusses erneut in Tiefthal zu einem Brand, wobei zwei Gehöfte mit seinen Bestallungen niederbrannten.

 Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs rückten amerikanische Truppen am 10.04.1945 in Tiefthal ein. Mit Beschluss der Potsdamer Konferenz, Deutschland in vier Besatzungszonen zu teilen, wurde Tiefthal Teil der sowjetischen Besatzungszone. Die Amerikaner rückten aus dem Ort ab.

 1952 wurde der „Peter Gut“ zur Produktionsgenossenschaft erklärt.

 Im Jahr 1990 wohnten in Tiefthal 525 Einwohner. 1994 wurde der Ort nach Erfurt eingemeindet. Seit 1993 zieht es immer mehr Bürger in das idyllische, naturverbundene Dorf und ein reger Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern lässt sich verzeichnen. Mittlerweile hat sich die bebaute Fläche Tiefthals mit ca. 350 Häusern verdoppelt und die Einwohnerzahl ist auf ca. 1200 zu schätzen.

 Trotz einer optischen Teilung zwischen altem und neuem Dorf existiert ein harmonisches Verhältnis der Einwohner untereinander. Das gesellig- kulturelle Leben in Tiefthal wird durch eine Anzahl von Vereinen, wie der Micky- Maus- Club, Kirmesgesellschaft, Frauen- sowie Männerchor, Schützenverein, Gemeindekirchenrat, Heimatverein, Verein der Rentner u. a. geprägt.

 Tiefthal als Winzerdorf

 Mit dem Entstehen der Klöster in Thüringen erhält auch die Weinrebe ihren Einzug im Thüringer Land.

 Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Tiefthal ist sicher auf den florierenden Weinanbau zurückzuführen. Seit Ende des 11. Jahrhunderts spielt der Wein für das Dorf und seine Menschen eine überaus bedeutende Rolle.

 1130 zählen zum Gebiet des Orphalklosters sechs Morgen saftiger Weinreben. Auf Grund der vielen Flächen Weinland betrieben die hohen Geistlichen und angesehene Kaufleute im 12. und 13. Jahrhundert einen Handel der Weinplantagen untereinander im großen Stil. So tauschte zum Beispiel 1170 der Erzbischof Christian von Mainz einen Weinberg am Kraienberg, welcher hinter den Weinplantagen des Erfurter Petersklosters lag, gegen zwei dem Domstifte angehörende und innerhalb der Stadtmauern Erfurts gelegene Berge. 1219 kam es sogar zu Streitigkeiten zwischen dem Mainzer Stephansstift und dem Ritter Hermann von Döllstedt. Den Streit gewann das Stephansstift, so dass ihm ein Tiefthaler Weinberg zugesprochen wurde. Im Jahre 1220 bekundete der Abt Witelo des Erfurter Petersklosters, dass ein verstorbener Mönch namens Günther seinem Kämmerer Berthold um den Kauf eines Weingebietes nahe Tiefthal gebeten hatte. Durch das Kollegium der Erfurter Kirche St. Augustin wurde 1273 ein Weinberg an den Andreasabt sowie an das Peterskloster verkauft.

 Im Mittelalter gelangte Tiefthal durch seine Rebzucht und die daraus resultierende  Produktion von Wein zu großem Ruhm. Im Volksmund wurde der Tiefthaler Wein als der Köstlichste in der gesamten Erfurter Region gepriesen.

Ein Drittel der umliegenden Flächen Tiefthals wurden zum Weinanbau genutzt, welche vor allem die Erfurter Klöster und Stifte sowie wohlhabende Bauern ihr Eigen nennen konnten. So besaß das Erfurter Peterskloster 1482 laut Erbzinsbuch 96 Äcker Weingut. 4,5 Äcker Reben konnte das Kloster des reichen Erfurter Bürgers Johannes Saalfeld für sich einnehmen und der Erzbischöfliche Mainzer Hof verfügte über 15 Äcker.

Weitere 15 Äcker befanden sich hinter dem Tiefthaler Kirchberg sowie ein Acker auf der anderen Seite des Dorfes.

 Im Jahre 1503, so geht es aus einer Schrift hervor, muss es eine sehr ergiebige Ernte gegeben haben. Die Fässer zur Lagerung des Weines waren bis zum Rand mit dem schmackhaften Trunk gefüllt und es bedurfte stets neuer Behältnisse. In diesem Jahr zahlte man für ein Maß Wein zwei Pfennige.

1587 hingegen war die Ernte eher dürftig und das rote Getränk schmeckte sehr säuerlich.

 1667 wurden insgesamt 750 Äcker, d. h. über ein Drittel der gesamten Tiefthaler Flur, mit Wein bepflanzt. Da die Weinernte eine sehr bedeutende Rolle für die Tiefthaler Einwohner spielte, blieb ihnen kaum Zeit zum Feiern von Festen.

Bis zum Jahr 1702 beging man das Kirchweihfest im Herbst, am Montag nach dem kirchlichen  Ereignis „Simonis Judas“. Doch die Menschen konnten das Fest anlässlich der Ehrung der Tiefthaler Kirche auf Grund der zeitintensiven Weinlese und dadurch anfallender Weinbergarbeit nur unter erschwerten Bedingungen abhalten. So überlegte man, jenes Ereignis zu verschieben. Da die Tiefthaler Kirche den Namen Peter und Paul trägt, wurde der neue Termin des Kirchweihfestes auf den Montag (3.Juli) nach dem Namenstag von „Peter und Paul“ gelegt. Die Behörden stimmten der Umsetzung zu.

 Seit Mitte des 18. Jahrhunderts war ein Rückgang der Rebenzucht zu verzeichnen. Sehr kalte Winter, wenig sonnige Sommer, Verwüstungen durch feindliche Belagerungen sowie Truppendurchzüge bewirkten eine schlechte Ernte und wenig Ertrag bringende Rebstöcke. Der Wein schmeckte nicht mehr fruchtig, nur noch sauer.

Selbst Bemühungen der kurmainzischen Regierung, den Weinanbau durch Auferlegen von Strafen und Verboten zu erhalten, änderte nichts an dem Abdriften des Weinanbaus ins Bedeutungslose.

In einer Verordnung vom 14.05.1704 legt der Erzbischof von Mainz fest, dass „…allen Viehhirten, wie auch den Weibern und Mägden, soll es von nun an nicht mehr gestattet sein, in keinerlei Zeit des ganzen Jahres in den Weinbergen zu hüten oder zu grasen; bei sechs Taler Strafe oder im Unvermögensfall acht bis 14 Tage Gefängnis…“.

Eine verstärkte Einführung von Getreideflächen, Kartoffelanbau sowie ein stetiges Pflanzen von Obstbäumen und Klee verringerte das Gebiet der Rebenzucht bis 1793 auf 169 Äcker.

Die Bauern fanden durch ihre fortschrittlichen und zeitgemäßen Gedanken immer wieder neue Erwerbsmethoden. Sie betrieben nun Landwirtschaft, Bienenzucht, Obst-, Garten- und Gemüseanbau.

 Bis 1879 ging die Rebenzucht bis auf sechs Hektar zurück. Dafür interessierte sich der Erfurter Bürger für die edlen, wohlschmeckenden Beerenfrüchte, die nun auf den Feldern Tiefthals reiften.

 Im Jahre 1910 existierten noch zwei Morgen kümmerliche Reste von Weinreben auf der Schwellenburg und auf dem Kraienberg. Selbst die letzten Reben als Zeugnis des Vorhandenseins bedeutender Weinberge auf Tiefthals Flur sind bis 1966 verschwunden. Nur noch die terrassenförmige Beschaffenheit der Schwellenburg lassen an den einst großen Bekanntheitsgrad Tiefthals als das Dorf des Weines erinnern.

 Der Obstanbau hat bis heute seine Bedeutung noch nicht verloren. Nicht nur Tiefthals Bürger machen sich in den warmen Sommermonaten des Öfteren zu einem Spaziergang in die Kirsch- bzw. Apfelplantagen auf, um den Blick für die saftigen und prallen Früchte einzufangen oder sich so manch Kostprobe einzuverleiben…

 Die Tiefthaler Kirche Peter und Paul

 Die Tiefthaler Kirche ist eine spätgotische Tochterkirche der Kirche von Kühnhausen. Der Kirchenname mit den Namen der Apostel Petrus und Paulus lässt auf eine Beziehung zu dem Erfurter Peterskloster schließen.

 Laut einer nicht ganz eindeutig zu entziffernden Schrift am Schiff der heutigen Kirche lässt sich ihr Baubeginn auf das Jahr 1510 datieren.

Auf der Inschrift ist Folgendes zu lesen:

„Anno ∙ dm ∙ ccccc / x domica post meco / nis coteaus prs tecti maria inchoata“.

 Die Kirche muss jedoch älteren Datums sein. 1510 wurde das neue Kirchenschiff an den noch heute stehenden Kirchturm angebaut. Es ist zu vermuten, dass dieser Turm an ein zuvor stehendes Kirchenschiff angebracht wurde und dieses dem Neubau 1510 weichen musste. Der Turm trägt ebenfalls eine Inschrift, die diese Vermutung bestätigt:

„Anno dm m° cccc° lxix do hans / mist (mese) vnd thomas rose (rost) bvwe / meister worn d wart ange / haben disser thorm“ – was soviel bedeutet „…dass Hans Weise und Thomas Rose Baumeister waren, wo dieser Turm angebaut wurde“. Es ist davon auszugehen, dass der Turm im Jahre 1469 erbaut wurde.

 Der Turm und das Kirchenschiff haben ihre Grundformen seitdem behalten und ragen in ihrer Gesamtheit noch immer erhaben auf einem Hügel über das idyllische Dorf.

Welche Veränderungen der Kirche weiterhin widerfahren sind, welcher Reichtum sich im Inneren der Kirche befand / befindet, ist im Nachfolgenden chronologisch zusammengefasst:

 Im westlichen Teil des Kirchenschiffes steht noch heute, zwei Treppenstufen erhöht, ein Altar, welcher vermutlich aus der Zeit der Gotik stammt. Es ist davon auszugehen, dass dieser schon in der Vorgängerkirche seinen Platz fand, da er einst als Altaraufsatz ein aus dem Jahre 1420 stammendes Flügelbild trug. Von diesem dreiflügligem Bild ist nur noch das mittlere erhalten und befindet sich heute nicht mehr in der Kirche, ist aber bei einer im Jahr 2006eröffnenden mittelalterlichen Kunstausstellung im Angermuseum zu sehen.

 Etwa Mitte des 15. Jahrhunderts stifteten das Ehepaar Hermann und Katharina Huttener einen Messkelch, der seitdem bei den christlich-traditionellen Messen zur Anwendung kommt. Der Messkelch trägt den Namen sowie das Wappen der Stifter.

 Im Jahre 1595 setzte man eine italienische Haube auf den Kirchturm auf, um so die Schönheit der Kirche zu untermalen und sie aus dem Landschaftsbett hervorzuheben.

 In dem Kirchturm wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert drei Glocken aufgehängt. Im Jahre 1596 kam die erste Glocke – eine Geierglocke – in den Turm.

 Laut einer sich im Turmknopf befindlichen Urkunde führten zwei Meister im Jahre 1668 Restaurierungsarbeiten des Turmes sowie des Turmknopfes durch.

 Im Jahre 1719 hatte das Uhrwerk des Turmes ausgedient. Daher sollte es nach Gotha zu Ausbesserungsarbeiten gebracht werden. Der Überbringer der Uhr entschied sich aber gegen die Aufbereitung und kaufte für 48 Taler ein neues Uhrwerk.

 Eine zweite Glocke wurde 1728 durch einen gewissen „Gorber“ für 238 Taler gegossen und im gleichen Jahr aufgehängt.

 Seit dem Jahre 1737 befinden sich in der Tiefthaler Kirche die heutige Kanzel und der Altaraufbau. Durch Bildhauer Andreas Bessert aus Groß – Rettbach wurden diese Schmuckstücke im Auftrag von Johann Heinrich Hahn erbaut. Der Altaraufbau ist eine barocke Schnitzerei mit Rosen, Trauben und Engeln, die waagemutig auf  dem Abschlussgesims sitzen. Ein weiterer Engel trägt mit seinen Flügeln das Rednerpult und schaut zur Gemeinde herab.

 Aus einer weiteren Schrift geht hervor, dass 1751 ein Blitzeinschlag erhebliche Schäden am Turm und am Kirchendach verursachte.

Durch abermaligen Blitzschlag wurden 1794 wiederum Schäden am Kirchturm sowie Kirchendach hervorgerufen, welche erst endgültig im Jahr 1796 für 280 Taler repariert waren.

 Im Jahre 1797 bekam der Turm eine neue Turmhaube - übrigens die Haube, die der Turm auch heute noch trägt. Im selben Jahr wurde die Kirchenschiffseite, wo sich heute der Friedhof befindet, mit Fensteröffnungen versehen. Davor zeigten die Fenster ausschließlich in die Richtung, wo die Sonne aufgeht.

 Die dritte Glocke – die Größte im Bunde – wurde im Jahre 1811 in der Tiefthaler Kirche aufgehängt. Sie ist vermutlich aus einer 1810 zersprungenen Glocke von den Gebrüdern Lang aus Erfurt gegossen worden. Den Auftrag dafür gaben die Eheleute Braun als holde Spender.

 Die zweite Glocke aus dem Jahr 1728 musste 1853 ausgebessert werden.

 Im Jahre 1869 erhielt die Kirche für 422 Taler ein Schieferdach. Im selben Jahr verschönerte man den Kirchturm und vergoldete für 13 Taler den Turmknopf.

 In den Jahren 1889 / 1899 wurden entscheidende Umbauarbeiten vorgenommen, die das Aussehen der Kirche im Inneren sowie im Äußeren verschönerten. Ein 1715 erbauter äußerer Treppenaufgang bekam eine neue Gestalt, die Empore, die über die Treppe zu erreichen ist, wurde erneuert und eine neue Orgel auf der Empore eingebaut. Des Weiteren wurden die Kirchenfenster mit Spitzen versehen sowie die Kanzel und der Altaraufbau restauriert.

 Die zweite Glocke (von 1728) wurde ein wiederholtes Mal ausgebessert. Trotz Wiedergewinnung des schönen Klangs konnte die „Gorber – Glocke“ durch Folgen des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) nicht mehr gerettet werden. Als Ersatz stiftete die Tiefthaler Gemeinde am 16. April 1925 ein neue Glocke. Diese trug zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Helden die Namen der nicht zurückgekehrten Soldaten.

 Im Jahre 1920 wurde das ausgediente Uhrwerk restauriert.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch einige Spuren in Tiefthal. Mit Ausgang des Krieges waren Schäden an der gesamten Kirche zu verzeichnen. Neben der Restaurierung des Turmes mit Turmknopf, der Wetterfahne und des Kirchendaches bis ins Jahr 1957 stifteten die Familien Arthur Rosenkranz und Otto Rosenkranz am 12. September 1949 zwei Bronzeglocken, die mit Inschriften versehen wurden.

Auf der kleinsten Glocke befinden die Zeichen Alpha und Omega, die für Anfang und Ende stehen, ein Christusmonogramm und der Name „Hosianna“. Worte wie „Ehre sei Gott in der Höhe“ sowie „Wenn ich ertöne, gedenket Eurer Söhne, die Gut und Leben für Euch gegeben“ sind auf der zweitgrößten Glocke zu lesen.

Seitdem legt sich der Klang der drei Glocken – die von Otto Rosenkranz und Arthur Rosenkranz Gestifteten und die 1811 Gegossene – zu den besonderen kirchlichen Anlässen wie Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen, zu Festen der Freude und der Trauer über das Dorf.

 In den Jahren 1998 und 1999 wurde die Kirche in einigen Teilen renoviert. So wurde sie zum Beispiel von außen trocken gelegt, indem man um das gesamte Gebäude einen Graben ausschachtete und den Beton vom Mauerwerk ablöste. Weiterhin legte man eine Drainage, um zu verhindern, dass weiterhin Wasser in die Mauern eindringt und diese zerstört werden. Der Weg wurde vor der Kirche neu gepflastert sowie die Westseite der Kirche mit einer Fensteröffnung versehen. Ein Gemeinschaftsraum entstand, als man das Innere der Kirche durch die Erweiterung der Fenster der Winterkirche, welche sich bis dato nur linksseitig befanden und auf der rechten Seite nach Vorlage dieser Fenster rekonstruiert wurden, teilte. Dieser Gemeinschaftsraum, welchen man unter anderem für den Konfirmandenunterricht und Gesprächsabende nutzt, wurde neu gefliest und mit einer Fußbodenheizung versehen. Weiterhin baute man eine kleine Küche sowie eine Sanitäranlage ein.

 In den Jahren 2002 / 2003 fanden erneut Renovierungsarbeiten in und an der Kirche statt. In Zusammenarbeit vieler Tiefthaler Einwohner wurde unter anderem der Putz am inneren Mauerwerk abgeschlagen und Sanierputz aufgebracht, die Wände und die Bänke frisch gestrichen sowie die Eingangstür der Kirche aufgearbeitet. Neue Lampen kamen an die Wände und man befestigte Deckenleuchter auf den Querbalken. Der äußere Treppenaufgang wurde durch Rudolph Kraft und Hannes Heinze vollkommen neu gestaltet, da das alte Holz des Treppengeländers zu sehr verkommen und nicht mehr zu reparieren war. Zu guter Letzt erneuerte man die östlich gelegenen Kirchenfenster.

 Im Jahr 2005 wird die schon viele Jahre verstummte Orgel repariert werden.

 Die traditionell verwurzelte Gemeinde Tiefthals belebt das kirchliche Leben immer wieder von neuem mit kreativen Ideen und Eindrücken. Gemeinsam arbeiten viele Tiefthaler, dass die Kirche als das Wahrzeichen des Ortes noch viele Jahre in ihrem schönen Glanz erhalten bleibt…

 Die Schwellenburg

 Die Schwellenburg ist ein in Ost– West– Richtung gelegener, fast baumloser Hügel, welcher an seiner höchsten Spitze 50 Meter über die Landschaft ragt. Ihre Terrassen auf der Nord – und Südseite, die einst für den Anbau von Weinreben genutzt wurden und aus der Ferne wie Schwellen aussehen, gaben dem Berg den Namen. Der 14,8 Hektar große Hügel besteht aus Gips- und Kalkgestein. Das stark verkarstete Gipsgestein weist viele Höhlen auf. Die Schwellenburg wurde 1968 auf Grund einer üppig vorhandenen Pflanzenwelt zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Anhand archäologischer Ausgrabungen auf der Schwellenburg wurde eine Besiedlung in der Stein- und Karolinerzeit (Topfscherben, Knochenwerkzeug, Feuersteinmesser, Grab aus dem 9.Jahrhundert) nachgewiesen. Auf dem höchsten Gipfel steht das Wahrzeichen des Hügels – zwei Pappeln.

Heute zieht die Schwellenburg nach wie vor viele Besucher für Spaziergänge an.

 Die Grundmühle

Die heutige Grundmühle befindet sich im Orphaltal, ganz in der Nähe des zerstörten Klosters Orphal. Sie ist ein eindrucksvolles Fachwerkhaus, welches durch Ernst Neukamm im Jahre 1794 mit der Errichtung eines Mahl- und Schrotganges und einer Ölmühle erbaut wurde. An jener Stelle stand vermutlich im 13. Jahrhundert die Klostermühle des Orphalklosters.

Die Grundmühle brauchte sich nie über Wassermangel zu beklagen, da sich nicht unweit von ihr eine niemals versiegende Quelle befindet.

Im Verlauf der Jahrhunderte wechselte die Mühle häufig ihre Besitzer und wurde zu einer Gastwirtschaft umgebaut. Im Jahre 1931 erteilten die Behörden die Genehmigung für einen Gaststättenbetrieb, welcher im Jahre 1956 aus Altersgründen der Mühle wieder eingestellt wurde. 1991 bekam die Grundmühle einen neuen Besitzer (M. Eichhorn), der die Mängel beseitigte und den Gastronomiebetrieb wieder aufleben ließ. Seitdem ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, wo jeder Besucher durch urige Mühlenromantik, Waldidylle und freundliche Bewirtung auf seine Kosten kommt…

 Das Kloster Orphal

Das Kloster mit der Ortschaft Orphal wird erstmals Ende des 11. Jahrhunderts in einem Stiftsbrief des Klosters Hasungen erwähnt. Beide befanden sich oberhalb der heutigen Grundmühle auf einer Anhöhe. Mit Untergang des Ortes Orphal im Jahre 1307, was das Verschwinden der Einwohner und den Wegfall aller Einkünfte / Bezüge für die Kapelle nach sich zog, begann der allmähliche Verfall des Orphalklosters. Der Mainzer Erzbischof unternahm den Versuch, das Kloster zu retten, indem er das Patronatsrecht an das zu dieser Zeit wohlhabende Erfurter Peterskloster übertrug. Mit Ausgang des 14. Jahrhunderts konnte das Peterskloster den völligen Zerfall nicht mehr aufhalten, da es sich selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.

Obwohl die Kapelle zu Orphal im Jahre 1479 wieder eingeweiht wurde, konnte jene den Auswirkungen der Bauernkriege und den Folgen der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts nicht standhalten. 1529 berichteten die Grafen von Gleichen: „Die Kirche in unserer Obrigkeit gelegen ist zerstört.“

Heute erinnern nur noch eine Erinnerungstafel und spärliche Mauerreste an die Existenz jenes Klosters und des Ortes Orphal…

Quellenverzeichnis:

 

  1. Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete

Herausgeber: Historische Commission der Provinz Sachsen

            Druck: 1890 Otto Hendel, Halle an der Saale

 

  1. Thüringer Warte Band IV; 1907 / 1908

Monatsschrift für die geistigen, künstlerischen, wirtschaftlichen Interessen Thüringen

Herausgeber: Hans Haupt

Druck: 1908 Verlag von Bruno Feigenspan, Pößneck / Thüringen

 

  1. Beiträge zur Topographie und Geschichte des Weißbachtals im Mittelalter

Herausgeber: Max Paul Bertram

Druck: 1912 Verlag von Carl Villaret, Erfurt

 

  1. Im Weißbachtal bei Erfurt

Herausgeber: W. Heinze

Druck: 1928 Verlagsanstalt Gebrüder Frauendorff, Arnstadt

 

  1. Belegarbeitarbeit „Tiefthal – Im Weißbachtal bei Erfurt“ (Original)

Herausgeber: Katy Kühr, 1995

 

  1. Gemeindebrief für die Kirchengemeinde Tiefthal, Dezember 2004

Herausgeber: Gemeindekirchenrat der Ev. Kirchengemeinde Tiefthal